Heraldik, Wappenkunde

Das Wort Heraldik ist abgeleitet von Herold. Diese waren in der Ritterzeit Beamte, welche über den Verlauf der  Turniere, ritterliche Standesfragen, besonders Wappen und Stammbaum, zu wachen hatten. "Wappen" ist der altdeutsche Ausdruck für Waffen; die berechtigt waren, Waffen zu tragen, führten ein Wappen. Vom Mittelalter an bis heute haben außer den Fürsten, Herzöge, Grafen, Bischöfen usw. auch öffentliche Ämter, Länder und Städte ihre eigenen Wappen. Das Hauptstück des Wappen, der Schild, ist mit dem eigentlichen Symbol geschmückt und deutet in vielen Fällen auf den Namen des Inhabers. Wenn die Wappenschilde mit geraden oder gebogenen Linien in geometrische Figuren eingeteilt sind, nennt man diese Heroldsbilder. Als gemeine Figurenwerden dagegen angesprochen Geräte, Werkzeuge, Blüten, Blätter, Adler, Löwe und sogenannte Fabelwesen (Bild II). Die Wappenbilder füllen die Felder möglichst ganz aus und werden der Form des Bildes entsprechend stilisiert. Die Wappenkunde kennt nur vier Farben und zwei Metalle. Erstere sind Rot, Blau, Grün und Schwarz, letztere Gold und Silber. Diese zwei Metalle werden auch zuweilen durch die Farben Gelb und Weiß ersetzt. Bei Anordnung der Felder darf Farbe nicht auf Farbe und Metall nicht auf Metall stehen. Die Farben werden bei der Wiedergabe des Wappens auf Siegeln oder Metallen durch Schraffierungen angegeben (Bild III).

Zu den Wappen gehört, außer dem Schild, der Helm (Bild IV).

Ist der Schild frühgotisch, oben gradlinig, unten spitz zulaufend und hat somit eine dreieckige Form, so wird er mit einem Kübelhelm geziert, der die gebräuchlichste, heraldische Helmform darstellt und aus dem 14. Jahrhundert stammt. Der mehr viereckige, unten halbkreisförmige Schild ist spätgotisch; der Helm hierzu ist ein Stechhelm. Im 16. Jahrhundert ist der viereckige Schild unten an den Ecken abgerundet und in der Mitte mit einer Spitze versehen, auf diesem steht der Spangenhelm. Gebräuchlich ist, daß der Helm '12 der Höhe des Schildes hat.

Neben diesen Hauptstücken des Wappens kommen noch Helmzier und Helmdecke in Betracht (Bild V) Die Helmzier, auf dem Helme stehend, z. B. Federn, Hörner usw., ist oft eine Wiederholung der Schildfiguren. Die Helmdecken stellen die Verbindung von Helm und Helmzier her, hängen an der Seite des Schildes herunter, indem sie dieses umflattern. Die Helmdecken haben die Farben des Schildes und seiner Figur, von außen Farbe, von innen Metall.

Bei manchen Wappen stehen rechts und links heraldische Gestalten von Menschen oder Tieren, Schildhalter genannt.

Der Adel setzt anstatt der Helme häufig auch Kronen über den Wappenschild. Die deutsche Kaiserkrone besteht aus einem goldenen Stirnreif, der mit Brillanten besetzt und in acht Schilder eingeteilt ist. Diese Schilde sind abwechselnd vier mit Adlern und vier mit Kreuzen geschmückt. Auf dem Stirnreif sitzen vier goldene Bügel, die zur Spitze zusammenlaufen und den Reichsapfel tragen. Die Krone ist mit goldartigem Stoff gefüttert und hat rechts und links je ein abfließendes Band mit Goldverzierung.

Die allgemeine Königskrone hat einen mit fünf sichtbaren Blättern gezierten Stirnreif, auf diesem sitzen, mit Steinen oder Perlen besetzt, fünf Bügel. Diese tragen, zur Spitze zusammengehend, den Reichsapfel.

Der Kurfürstenhut hat Hermelinstulp, fünf Spangen und Reichsapfel.

Der Fürstenhut hat Hermelinstulp, drei Spangen und Reichsapfel.

Die Grafenkrone hat einen goldenen Stirnreif mit neun sichtbaren Zinken.

Die Freiherrnkrone hat auf dem Stirnreif sieben mit Perlen besetzte Zinken.

Die allgemeine Adelskrone hat fünf sichtbare Zinken. Diese Zinken tragen an der Spitze eine Perle (Bild VI).
Die Laubkrone zeigt drei stilisierte Blätter und dazwischen zwei Perlen (Bild VI). Sie ist keine Rankkrone und wird neben der Wulst häufig als Zwischenstück von Helm zur Helmzier verwendet (Bild V).
Für Wappengruppen gelten folgende Regeln: Bei Ehewappen werden die Schilde nach innen gelehnt, die Helme einander zugewendet. Das Wappen des Mannes wird "gewendet" und kommt auf die - heraldisch - rechte Seite. Bei drei Wappen steht das vornehmste in der Mitte, Schild gerade, Helm nach vorn schauend. Das nächst vornehme wird (Schildbild und Helm gewendet, Schild geneigt) rechts vom Hauptwappen, und das dritte Wappen links davon, mit geneigtem Schild dargestellt (Bild VII).

Übernommen aus: Leitfaden für das Graveur-, Gürtler- und Ziseleur-Handwerk